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23. Oktober 2020
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Presse

2. Platz im Essaypreis der Hertie-Stiftung für Dezernatsautoren2 min read

DEZERNAT ZUKUNFT

In welchem Verhältnis stehen Demokratie und Wirtschaft? Was verbindet die beiden Sphären, was trennt sie? Wie sieht ein Zusammenspiel aus, das der gesamten Gesellschaft nützt? Dies waren die Fragen, die im diesjährigen Essaypreis der Hertie-Stiftung zur Debatte standen. Mit ihrem Aufsatz “Onwards, but not via Beijing: for a re-embedded liberalism” haben Max Krahé und Mathis Richtmann den 2. Platz gewonnen.

Der Essay beginnt mit der Feststellung, dass Fukuyama’s “Ende der Geschichte” vorbei ist: im letzten Jahrzehnt hat sich das bestehende Arrangement zwischen Demokratie und Kapitalismus, welches Anfang der 90er Jahre noch stabil und dauerhaft erschien, destabilisiert und delegitimiert. Doch weshalb? Und wie könnte es erneut stabilisiert und legitimiert werden?

Die beiden Autoren sehen die Ursachen in der geld- und wirtschaftspolitischen Wende der 1970er Jahre. Aus der stagflationären Krise dieses Jahrzehnts wurde fälschlicherweise die Lehre gezogen, dass Demokratien nicht in der Lage seien, ihr eigenes Geld zu verwalten. Es folgte die Ausbreitung der Zentralbankunabhängigkeit sowie eine Welle markthöriger Reformen, mittels derer die westlichen Demokratien ihre wirkungsmächtigsten Steuerungsinstrumente—und damit die Kontrolle über ihre wirtschaftlichen Geschicke—aus der Hand gaben. Damit konnten sie zwar die Inflation der 70er bezwingen, jedoch ist es nach diesem gewollten Kontrollverlust bisher nicht gelungen, entweder die Klimakrise oder die stetig wachsende soziale Unsicherheit effektiv zu bekämpfen. Die schwindende Legitimität des heutigen Arrangements hat also ihre Gründe.

Um unsere Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung zu relegitimieren, so schlagen die Autoren vor, sollten die westlichen Demokratien die Kontrolle über das Zentralbankwesen erneut dem normalen demokratischen Prozess übergeben. Damit würde ein mächtiges Instrument erneut mobilisierbar werden, um die großen Herausforderungen unserer Zeit mit Hochdruck, Tempo und demokratischer Legitimität anzugehen.

Der Aufsatz ist in gekürzter Form in der Wirtschaftswoche erschienen und hier in voller Länge zu lesen.

 

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