Fachtext
Niklas Illenseer, Felix Heilmann, Valentin Kölzer, Janek Steitz
15. Okt. 2026

Was Stromsteuersenkungen leisten können

Auswirkungen auf Elektrifizierung und öffentliche Finanzen

Mit dem Electrification Action Plan schlägt die Europäische Kommission vor, dass Mitgliedstaaten Strom nicht höher besteuern als Gas. Wir untersuchen, wie eine Senkung der Stromsteuer auf dieses Niveau, oder auf das EU-Minimum, Stromkosten, Elektrifizierungsanreize und Staatshaushalte beeinflusst. Nur etwa ein Drittel der Mitgliedstaaten wäre von der Regel betroffen. Die Analyse von sieben Ländern zeigt große Unterschiede zwischen den EU-Staaten: Die Stromsteuer macht für einen typischen Familienhaushalt 0,5 bis 14 Prozent des Strompreises aus. Spürbar sinken die Rechnungen dort, wo dieser Anteil hoch ist. Entlastet würden vor allem Haushalte und Unternehmen, die nicht unterbestehende Ausnahmeregeln fallen. Die Senkung schafft dort Anreize zur Elektrifizierung, wo auch das Verhältnis von Strom- zu Gaspreis hoch ist. Im Staatshaushalt überwiegen zunächst die Steuerausfälle. Mit der Zeit kann die Elektrifizierung die Bilanz aber verbessern, weil fossile Preisschocks weniger durchschlagen und Klimaschäden vermieden werden. Gezielte Senkungen sind günstiger als eine allgemeine und schon heute möglich. Idealerweise sollte ihre Anwendung aber durch eine Reform der EU-Energiesteuerrichtlinie vereinfacht werden.

Die vollständige Studie ist auf Englisch erschienen.

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Warum haben wir diesen Artikel geschrieben?

Elektrifizierung ist ein zentraler Hebel, um Europa unabhängiger von schwankenden fossilen Energiepreisen zu machen, die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und Klimaschäden zu begrenzen. Ob sich eine Wärmepumpe, ein E-Auto oder elektrische Prozesswärme lohnt, hängt aber auch davon ab, wie teuer Strom im Vergleich zu Gas ist. Die Europäische Kommission strebt in ihrem Aktionsplan Elektrifizierung deshalb bis 2030 ein Strom-Gas-Preisverhältnis von höchstens 2,5 für Haushalte und 2,0 für die Industrie an. Zugleich schlägt sie vor, dass die Mitgliedstaaten Strom nicht höher besteuern sollen als Gas. Die Stromsteuer ist einer der direktesten Hebel, mit denen Regierungen Stromrechnungen beeinflussen können. Wir wollten verstehen, was eine Senkung tatsächlich leisten kann.

Was haben wir dabei gelernt?

Die Stromsteuersysteme in der EU unterscheiden sich stark, und entsprechend unterschiedlich wirkt eine Senkung. Nur etwa ein Drittel der Mitgliedstaaten besteuert Strom höher als Gas und wäre von der vorgeschlagenen Gleichstellung betroffen. Spürbar entlastet eine Senkung, wo der Stromsteueranteil hoch ist, etwa in Deutschland und Frankreich. Weil die energieintensive Industrie meist schon nahe am EU-Mindestsatz zahlt, käme die Entlastung vor allem Haushalten und kleineren Unternehmen zugute, besonders im Dienstleistungssektor. Eine Senkung auf das EU-Minimum würde das Strom-Gas-Preisverhältnis für Haushalte um 0,1 bis 0,9 Punkte senken, für bereits begünstigte Industrieunternehmen dagegen um höchstens 0,1 Punkte. In Deutschland fiele es für Haushalte von etwa 3,2 auf 3,0.

Fiskalisch überwiegen zunächst Steuerausfälle. Erst mittel- bis langfristig können eine geringere Anfälligkeit für fossile Preisschocks und vermiedene Klimaschäden die Bilanz verbessern. Zugleich schrumpft mit jedem Umstieg das Aufkommen aus fossilen Energiesteuern. Daraus folgt: Eine allgemeine Stromsteuersenkung ist einfach umzusetzen, aber schwer zu finanzieren. Gezielte Senkungen erreichen mehr Elektrifizierung pro Euro. Und eine Stromsteuersenkung ist kein Allheilmittel.

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