02. Jul 2026

Der neue Haushaltstracker: eine Anleitung

Nächste Woche kommt der Bundeshaushalt 2027. Doch es ist nicht einfach, im Haushaltsdokument schnell zu finden, wonach man sucht – geschweige denn, auf einen Blick zu erkennen, wofür der Bund sein Geld ausgibt. Wir schaffen Abhilfe: mit dem neuen Haushaltstracker. Er ist gleichzeitig interaktives Dashboard für „Erkundungstouren“ durch den Bundeshaushalt, Suchmaschine und wissenschaftlicher Datensatz für eigene Analysen. In diesem Geldbrief geben wir Ihnen eine Anleitung, wie Sie mit dem Haushaltstracker arbeiten können.

In wenigen Tagen stellt Finanzminister Klingbeil den Bundeshaushalt 2027 vor. Dann heißt es: Suchen. Wo wird gespart? Wofür gibt es mehr Geld? Wo wird kreativ gebucht?

Doch sich im Haushalt zurechtzufinden, ist kompliziert. Er ist 3.500 Seiten lang, unterteilt in sogenannte Einzelpläne für jedes Ministerium. Sondervermögen haben wiederum eigene Haushaltspläne. Und Ausgaben, die zuvor so hießen, können heute anders heißen, aber dasselbe meinen. Der Bundeshaushalt ist eine Blackbox.

Wir bringen Licht ins Dunkel – mit dem neuen Haushaltstracker. Er erfasst jede Einnahme und Ausgabe des Bundes der letzten zehn Jahre. Er legt offen, was sonst unter Haushaltstechnik verborgen bleibt. Sie können ihn auf drei Weisen nutzen: als interaktives Dashboard, Suchmaschine oder wissenschaftlichen Datensatz.

Für den schnellen Überblick: das Dashboard

Der Bundeshaushalt ist in Zahlen gegossene Politik. In ihm steht, was der Bund dafür tut, dass mehr Frauen erwerbstätig sein können oder die Bahn pünktlich fährt – allerdings versteckt hinter sperrigen Haushaltstiteln und großen Zahlen. Der Haushaltstracker übersetzt den Haushalt in ein interaktives Dashboard. Mit einfachem Durchklicken erfahren Sie, was der Bund mit seinem Geld macht.

Abbildung 1

Wir haben die Ausgaben des Bundes für Sie vorsortiert. Erstens danach, an wen sein Geld fließt. Hier unterscheiden wir beispielsweise zwischen Subventionen und öffentlichen Leistungen. Bei Subventionen landet das Geld direkt auf Ihrem Konto, weil sie z. B. eine Sozialleistung beziehen, oder dem eines Unternehmens, wenn etwa sein Strompreis subventioniert wird. Bei öffentlichen Leistungen dagegen finanziert der Bund z. B. Bahngleise, Wohnungsbau oder Kitas direkt. Das bringt uns zur zweiten Sortierungsebene: Wofür gibt er Geld aus? Das kann alles Mögliche sein, von Altersleistungen über Bildung bis zu Verteidigung und Zinsen.

Mit dem Dashboard bekommen Sie einen schnellen Überblick. Sind Sie an der Rente interessiert? Unter „Subventionen an Haushalte“ und „Alter“ werden Sie feststellen, dass 120 Milliarden Euro dorthin fließen. Oder geht es Ihnen um die Bahn? Schauen Sie unter „Öffentliche Leistungen“ und „Schienenverkehr“. Da wird schnell klar: Dank des Sondervermögens bekommt sie nun deutlich mehr Geld. Oder sorgen Sie sich um Zinskosten? Dann werden Sie unter „Finanzierungskosten“ fündig: Sie sind zuletzt auf über 30 Milliarden Euro gestiegen, gemessen am BIP aber nicht höher als vor zehn Jahren.

Für die Details: die Suchmaschine

Der Haushaltstracker ist nicht nur Dashboard, sondern auch eine Suchmaschine mit drei Optionen:

  1. Die **Filterfunktion** verfügt sowohl über die üblichen Filter des Finanzministeriums – Einzelpläne, Gruppierungen (Ausgabenart) und Funktionen (Ausgabenzweck) – als auch unsere eigene Sortierung nach Empfängern und Politikfeld (siehe oben).
  2. **Spotlights** führen Sie direkt in ausgewählte Bereiche des Haushalts. Hier finden Sie heraus, was in den 37 Milliarden Euro des Klima- und Transformationsfonds (KTF) oder den 48 Milliarden Euro im Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIK) steckt.
  3. Suchen Sie nach einem versteckten Detail, nutzen Sie die **Suchleiste**. Beispiel: Wie viel kostet die Munition der Bundeswehr? Suchen Sie nach „Munition“ und wählen Sie die erscheinenden Titel aus. Das Ergebnis: Insgesamt wird im Jahr 2026 für ca. 10 Milliarden Euro Munition beschafft – ein Vielfaches mehr als in den Jahren zuvor.
  4. Abbildung 2

    Für Profis: der Datensatz

    Für Ökonominnen und Analysten sind Dashboards „nice to have“. Was sie vor allem brauchen, sind saubere, ordentliche Daten. Auch das liefert der Haushaltstracker: den umfassendsten Panel-Datensatz zu den Bundesfinanzen. Was auch immer Ihr Forschungsinteresse ist, mit dem Haushaltstracker wird es analysierbar.

    Die öffentlichen Rohdaten des Finanzministeriums eignen sich dafür nicht. Ausgaben wechseln über die Jahre die Haushaltsstelle oder sogar den Namen. Trotzdem bleiben sie ein und dieselbe. Für die Wirtschaft ist es gleich, ob Investitionen in die Schiene mal im Verkehrsetat und mal im SVIK stehen. Und wenn Mittel in ein Sondervermögen umgeschichtet werden, ist das rein haushälterisch zwar eine Ausgabe im Kernhaushalt, aber noch kein ausgegebenes Geld.

    Im Haushaltstracker ist jede Ausgabe eindeutig zugeordnet, über die Zeit nachverfolgbar und um Verrechnungen zwischen Haushaltstöpfen bereinigt. Schauen Sie sich die Daten als Tabelle auf unserer Website an oder laden Sie sie gleich als Excel herunter.

    Warum das Ganze?

    Weil gute Finanzpolitik Transparenz braucht. Und Transparenz braucht Daten. Nach wie vor fehlt es massiv an Geld für exzellente öffentliche Leistungen – in Kitas, Krankenhäusern und auch bei der Bahn. Umso wichtiger ist es, dass Politik und Öffentlichkeit wissen, was mit staatlichem Geld geschieht. Nur so werden Probleme offensichtlich und politisches Umsteuern möglich.

    Doch für die Öffentlichkeit sind die Bundesfinanzen bisher ein Buch mit sieben Siegeln. Und da die empirische Grundlage fehlt, wird die Finanzpolitik heute kaum evidenzbasiert gesteuert oder analysiert. Mit dem Haushaltstracker wollen wir einen Beitrag zu mehr Transparenz und Evidenz leisten.

    Nun sind Sie am Zug: Welches Thema fehlt? Welche Funktion wäre nützlich? Geben Sie uns Feedback. Wir möchten unseren Haushaltstracker stetig weiter verbessern und brauchen dafür Ihre Mithilfe.

Content
  1. 1. Für den schnellen Überblick: das Dashboard
  2. 1.1 Abbildung 1
  3. 2. Für die Details: die Suchmaschine
  4. 2.1 Abbildung 2
  5. 3. Für Profis: der Datensatz
  6. 4. Warum das Ganze?
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