Deutschland befindet sich in einem Innovationsparadox. Staat und Unternehmen investieren mehr als fast jedes andere Land der Welt in Forschung und Entwicklung (FuE) – und doch mangelt es an Innovation. Wir untersuchen, ob die Allokation der FuE-Fördermittel des Bundes diesem Paradox entgegenwirkt oder es verstärkt. Grundlage ist der Förderkatalog des Bundes mit nahezu 40.000 aktiven Fördervorhaben. Für die Unternehmensförderung kombinieren wir ihn mit Unternehmensdaten aus S&P Capital IQ und klassifizierten Technologie-Reifegraden (TRL) mittels Few-Shot-LLM-Klassifikation.
Das Ergebnis: Die Förderpolitik bevorzugt systematisch große und etablierte Unternehmen. Jeweils fast zwei Drittel der Fördersummen fließen an Großunternehmen ab 250 Mitarbeitenden und etablierte Unternehmen, die älter als 20 Jahre sind. Die Fördermittel konzentrieren sich außerdem auf die mittleren Reifestufen TRL 4 bis 6; Frühphasenforschung auf TRL 1 bis 3 erhält bei Unternehmen so gut wie keine Projektförderung. Dieses System fördert nicht disruptive Innovationen, sondern subventioniert die inkrementelle Verbesserung bestehender Produkte. Wir leiten aus dem Vergleich mit anderen Ländern vier Reformoptionen für die Förderpolitik des Bundes ab, die diese Probleme beheben können.
- Ein Förderprogramm für kleine und junge Unternehmen mit gesetzlicher Mindestquote bei der Vergabe von Fördermitteln inkl. Zugang zu öffentlicher Beschaffung.
- Eine gesetzlich verankerte Technologieprioritätenliste mit TRL-Ziel-Vorgaben, durch die die Allokation von Fördermitteln in Schlüsseltechnologien und Hightech-Sektoren geleitet wird.
- Eine Ausweitung der Frühphasenförderung – durch einen schrittweisen Ausbau der SPRIND und ein ergänzendes, breit angelegtes und niedrigschwelliges Programm, das insbesondere auch frühe TRL-Stufen umfasst.
- Stärkere Transferförderung durch neue Anreize und Unterstützung bei der Zusammenarbeit zwischen Universitäten, Forschungsinstituten und Unternehmen sowie direkterem Zugang zu Fördergeldern für Forschende.