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5. März 2024
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Gerrit Schröter

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Datensets

Q4-2023 Update Investitionstracker

7 min Lesezeit
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Im Laufe des Jahres 2023 wurden 43 private Investitionen, jede mindestens 100 Millionen Euro, mit einem Gesamtvolumen von circa 104 Milliarden Euro angekündigt. Diese Investitionen zielen auf für eine Transformation hin zu einer klimaneutralen und souveränen Wirtschaft ab. Hier geht es zur interaktiven Karte.

Gerrit Schröter

Download Excel    → Das Datenset im Excel Format

Download PDF    → Die ausführliche Methodik
 

Letztes Update: 05.03.2024

Eine Einleitung in die Motivation für diesen Tracker findet sich in unserem ersten Teil hier.

Wir freuen uns über Feedback und Hinweise auf nicht berücksichtigte Investitionsvorhaben, die den Kriterien der Methodik entsprechen. Bitte melden an: gerrit.schroeter@dezernatzukunft.org.


Mit dem ersten Update unseres Investitionsankündigungstrackers für das letzte Quartal 2023 können wir einen Überblick über die Ankündigungen im Gesamtjahr 2023 bieten. Gemäß unserer Methodik gab es 2023 43 Ankündigungen für Großinvestitionen in Höhe von circa 104 Mrd. € (inklusive Subventionen von circa 25 Mrd. €). Dies stellt einen Anteil von 2,5 Prozent des BIPs im Jahr 2023 dar. Bund und Länder werden 19 der angekündigten Projekte subventionieren.  Von den angekündigten Projekten haben 19 ein Investitionsvolumen von jeweils mindestens 1 Mrd. €. Die übrigen 24 Projekte bewegen sich im Bereich von 100 Millionen bis unter 1 Mrd. €. Die nachfolgenden Grafiken im Text liefern eine detailliertere Auswertung.

In der oben verlinkten und unten einsehbaren Karte sind die einzelnen Investitionsvorhaben und deren regionale Verteilung zu sehen. Es ist der obige Hinweistext bei der Karte zu beachten. Bewegen Sie den Mauszeiger über einzelne Projekte auf der Karte, um zusätzliche Details einzusehen.

Was ist neu?

Wir haben in der Methodik kleinere Änderungen vorgenommen und zusätzliche Daten gesammelt. Mehr dazu lässt sich hier nachlesen. Die relevanteste Änderung umfasst eine Einteilung der Investitionsankündigungen in das jeweilige Quartal der Ankündigung[1] und den Umgang mit Stromnetzinfrastrukturprojekten. Diese werden nun nur noch auf einer übergeordneten Ebene getrackt. Neue Investitionsankündigungen und Änderungen bisheriger Ankündigungen haben wir in der Excel-Tabelle orange markiert.

Während der Recherche wurden drei weitere Investitionsankündigungen für die ersten drei Quartale des Jahres 2023 identifiziert, womit sich die Gesamtzahl der neuen Investitionsankündigungen in der Übersicht auf elf beläuft.[2] Dazu ist eine Investitionsankündigung aus der Übersicht herausgenommen worden in Höhe von 100 Mio. €. Unserer neuen Methodik entsprechend ist dieses nun als Unter-Projekt eines Stromnetzausbauprojektes von 50Hertz deklariert. Des Weiteren hat eine größere Korrektur in unseren Daten stattgefunden, die die Ansiedlung von Intel bei Magdeburg betrifft. Die geplanten Investitionen wurden von 27 Mrd. € auf 33 Mrd. € hochgestuft.

Wie in der Methodik beschrieben, tracken wir den Windkraft- und Solarausbau nicht. Für alle Interessierten können wir den Energiemonitor von Zeit Online empfehlen, der mittlerweile einen Überblick über den Zubau von Wind- und Solaranlagen bietet.

Schwerindustrie mit höchsten Ankündigungen im vierten Quartal  

Für das vierte Quartal kommen wir auf Investitionsankündigungen in Höhe von 11,3 Mrd. €, welche 3,2 Mrd. € Subventionen beinhalten, verteilt auf 11 Ankündigungen, siehe Abbildung 1. Vier davon fallen auf den Industriezweig Schwerindustrie, mit einem Volumen von 5,2 Mrd. €. An zweiter Stelle folgt EE-Kraftwerke, Speicher und Elektrolyse, mit drei Ankündigungen von einem Volumen über insgesamt 2,85 Mrd. €. Des Weiteren gab es die höchste Ankündigung 2023 für den Industriezweig Biotechnologie mit 2,3 Mrd. €.

Abbildung 1

Über das Jahr lässt sich kein klarer Trend über die Quartale hinweg erkennen. Die Anzahl und Höhe der Investitionen scheinen gegensätzlich zu verlaufen, wie in Abbildung 2 abzulesen ist. Während in Q4 die zweitmeisten Ankündigungen erfolgten mit 11, war das Volumen mit 11,3 Mrd. € nur unwesentlich höher als im ersten Quartal, wo es lediglich sechs Ankündigungen gab. Die Höhe der Ankündigungen ist dabei stark von einzelnen Ausreißern in den Industriezweigen Halbleiter & Elektronik (Intel, TSMC etc.) und Energieinfrastrukturen geprägt. Aufgrund der stark gegensätzlichen Fluktuation bei gleichzeitig wenigen Datenpunkten ergäbe es, wenn überhaupt, Sinn, die Anzahl der Ankündigungen mit dem wirtschaftspolitischen Investitionsumfeld in Verbindung zu bringen. Ein genauerer Blick auf die Ankündigungen im dritten Quartal zeigt jedoch, dass viele schon länger in der Pipeline waren und es häufig am Ende an Genehmigungen auf kommunaler Ebene oder Subventionszusagen hängt. Auch letztere sind im Regelfall das Ergebnis von teils jahrelangen Verhandlungen. Da Informationen zu diesen Verhandlungen nicht öffentlich zugänglich sind, bleibt der genaue Entscheidungsprozess vage und schwer nachvollziehbar.

Abbildung 2

Kein klarer Trend im Jahresverlauf

Im Laufe des vierten Quartals hat sich bei den Ankündigungen der ersten drei Quartale wenig verändert. In Einzelfällen haben wir zusätzliche Informationen gefunden, die die geplante Fertigstellung oder ähnliches betreffen. Es lassen sich jedoch keine übergreifenden Tendenzen erkennen, vor allem wurden keine der angekündigten Projekte abgesagt.

Ein Blick auf die Verteilung der Ankündigungen im Gesamtjahr 2023 über die Industriezweige hinweg (siehe Abbildung 3) zeigt die Dominanz von „Halbleiter & Elektronik“ (51-prozentiger Anteil an der Gesamthöhe der angekündigten Investitionen), als auch „Energieinfrastrukturen“ (22 %) gefolgt von „Schwerindustrie“ (14 %). Die meisten Ankündigungen gab es in den Industriezweigen „Schwerindustrie“ und „Erneuerbare Energien Kraftwerke, Speicher und Elektrolyse“, mit jeweils sieben Stück.

Abbildung 3

Der Großteil der angekündigten Investitionen lag im Jahr 2023 zwischen einer und fünf Milliarden Euro. Es lässt sich in Abbildung 4 gut erkennen, wie einige wenige Ausreißer die Verteilung dominieren. Die Top-Drei-Ankündigungen machen mit circa 50 Mrd. € knapp die Hälfte der Gesamten Investitionsankündigungen aus. Mehr als die Hälfte aller Ankündigungen liegen jedoch zwischen 100 Mio. und einer Mrd. €.

Abbildung 4

Ostdeutschland mit volumenstärksten Ankündigungen

Die Verteilung der Investitionsankündigungen über die Bundesländer hinweg zeigt bei der Anzahl eine Tendenz hin zu Süd-Westdeutschland und bei der Höhe hin zu Ostdeutschland. Wobei letzteres von Sachsen und Sachsen-Anhalt mit starken Ausreißern dominiert wird. Hierzu zählen insbesondere die Ankündigungen von Intel, TSMC und Infineon, die sich allein auf 48 Mrd. € belaufen. Gleichzeitig fließt in diese Bundesländer auch die höchste Summe an Subventionen. Es lässt sich dazu eine leichte Tendenz feststellen, dass die Investitionen in Ostdeutschland die Ansiedlung von neuen Unternehmen mit neuen Technologien beinhaltet und in Westdeutschland bestehende Unternehmen in ihren Kapitalstock investieren. Einen geografischen Überblick bietet die eingebettete Karte.

Abbildung 5

Ausblick 2024

Zusätzlich zu den Ankündigungen in der Übersicht pflegen wir eine Liste mit Ankündigungen, deren Umsetzung jedoch noch mit großen Unsicherheiten behaftet ist. Insbesondere in Hinblick auf Elektrolyseure-Kapazitäten besteht ein großes Potenzial für 2024, die bisherigen Ankündigungen befinden sich in der Planungsphase. Die Bundesregierung hat dazu vor kurzem ihre neue Strategie zum Bau von wasserstofffähigen Gaskraftwerken vorgestellt. Es ist zu erwarten, dass einige neue Ankündigungen für Gaskraftwerke folgen werden. Angesichts der langen Genehmigungsverfahren und häufigen lokalen Protesten ist jedoch nicht absehbar, dass diese in naher Zukunft in unsere Übersicht aufgenommen werden können. Problematisch könnten sich die aktuellen Querelen im Bundesverkehrsministerium auswirken, weshalb sämtliche Wasserstoffförderungen auf Eis gelegt sind. Als Signal für weitere Firmen kann die Abstimmung über die Erweiterung des Tesla-Werkes in Grünheide verstanden werden. Bei einer Wahlbeteiligung von 75 % stimmten 61 % gegen die Pläne. Auch wenn die Abstimmung nicht bindend ist, so haben die Gemeindevertreter:innen angekündigt, sich an dieses zu halten, eine endgültige Entscheidung auf Kommunaler- und Landesebene steht noch aus.

Wir werden unseren Investitionstracker im Jahresverlauf 2024 nach jedem Quartal aktualisieren. Wie extensiv die Auswertungen ausfallen und welche Variablen kontinuierlich nachgehalten werden, passen wir an die zukünftigen Entwicklungen an. Im Laufe der nächsten Quartale/Jahre erwarten wir bessere Auswertungen vornehmen zu können, die bisher aufgrund der Kürze des Zeitraums nicht möglich sind.

Abbildung 6


Fußnoten

[1] Die Eintragung der einzelnen Ankündigungen in Quartale ist für Q1 bis Q3 nachträglich in diesem Update erfolgt.

[2] Bei der ersten Version des Trackers haben wir Ankündigungen noch nicht den Quartalen zugeordnet und Ankündigungen bis zum 19.10.23 gesammelt. Somit hatten wir bereits in der ersten Version drei Ankündigungen aus Q4.

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