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Paul Görlich, Dr. Maximilian Paleschke
09. Jun 2026

Welche Märkte sich lohnen

Wie der Tragfähigkeitscheck wirtschaftspolitische Hebel messbar macht

Das deutsche Wirtschaftsmodell steht unter Druck. China übernimmt einen Exportmarkt nach dem anderen mit Produkten, die deutlich günstiger sind als die in Deutschland hergestellten. Waren es vor ein paar Jahren noch verhältnismäßig einfache Produkte wie Kabel, trifft es nun die Leitindustrien im Automobil- und Maschinenbau. Welche Geschäftsmodelle sind unter solchen Bedingungen in Deutschland noch tragfähig? Die Beantwortung dieser Frage ist die Voraussetzung für eine gezielte Förderpolitik: Fließen öffentliche Mittel in ein Geschäftsmodell, dessen Kapitalrendite dauerhaft unter den Kapitalkosten liegt, werden sie kaum privates Kapital mobilisieren. Ermöglicht gezielte Förderung hingegen den Aufbau dauerhaft rentabler Produktion, kann der volkswirtschaftliche Nutzen den Mitteleinsatz aufgrund privatwirtschaftlicher Folgeinvestitionen um ein Vielfaches übersteigen.

Dazu entwickeln wir einen Tragfähigkeitscheck. Er überprüft, ob spezifische Geschäftsmodelle rentabel sein können und welche Auswirkungen ausgewählte unternehmerische oder politische Maßnahmen haben. (Das ist selbstverständlich nicht das einzig relevante oder gar entscheidende Kriterium für politische Maßnahmen. Für viele Subventionen ist es aber die zentrale Motivation. Diese versuchen wir hier evaluierbar zu machen.) Anhand zweier Fallstudien — LKW und Busse mit Verbrennungsmotor sowie Optical Engines für Photonik-Chips — zeigen wir, dass die Wirksamkeit politischer Maßnahmen ganz wesentlich vom jeweiligen Geschäftsmodell, der Technologie und dem Marktumfeld abhängt. Damit lassen sich politische Maßnahmen wesentlich präziser gestalten, Einsparpotenziale bei Erhaltungssubventionen identifizieren und Ressourcen auf Märkte lenken, die das Potenzial zur eigenständigen Tragfähigkeit haben. Gerade in Zeiten knapper Haushaltsmittel ist eine solch fokussierte Wirtschaftspolitik zentral.

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Warum haben wir dieses Papier geschrieben?

Die Bundesregierung gibt jährlich rund 60 Milliarden Euro an Finanzhilfen an Unternehmen aus, einen großen Teil davon für Kostensenkungen wie Energiesubventionen oder Steuererleichterungen. Doch es fehlt eine belastbare Grundlage dafür, ob diese Mittel langfristig tragfähige Geschäftsmodelle stützen oder lediglich Verluste mitfinanzieren. Gleichzeitig stehen Entscheidungsträger vor der Frage, welche Zukunftstechnologien sich am Standort Deutschland überhaupt rentabel produzieren lassen und was es dafür braucht. Anknüpfend an unser Turnaround-Papier, das gezeigt hat, dass staatliche Unterstützung notwendig, aber keine Garantie für ein Comeback ist, wollten wir einen Schritt weitergehen: Nicht nur fragen, ob der Staat unterstützen sollte, sondern berechnen, welche Hebel bei welchem Geschäftsmodell tatsächlich wirken, das heißt, private Folgeinvestitionen wahrscheinlich machen. Dafür haben wir den Tragfähigkeitscheck entwickelt und ihn an zwei unterschiedlichen Fallstudien getestet: einer etablierten Bestandsindustrie (Verbrenner-LKW) und einer Zukunftstechnologie (Optical Engines für KI-Chips).

Was haben wir dabei gelernt?

Die beiden Fallbeispiele zeigen, dass unser Modell des Tragfähigkeitschecks realistische Ergebnisse liefert. Die Ergebnisse der Tragfähigkeitschecks decken sich mit Einschätzungen der Unternehmen bzw. von Marktexpertinnen und -experten. Die in der politischen Debatte dominierenden Hebel, Energiekosten, Steuern und Lohnnebenkosten, sind in keiner der beiden Fallstudien der wirkungsvollste Ansatzpunkt. Bei der Verbrenner LKW-Produktion liegt der effektivste Weg zur Tragfähigkeit in der Gesundschrumpfung kombiniert mit dem Aufbau neuer Eintrittsbarrieren über technologische Differenzierung. Bei der untersuchten kapitalintensiven Zukunftstechnologie der Optical Engines sind operative Hebel nahezu wirkungslos. Hier macht die Senkung der Kapitalhürde, etwa über Capex-Subventionen und KfW-Bürgschaften, den Unterschied zwischen Ansiedlung und Nichtansiedlung. Deutschlands AAA-Bonität ist dabei ein unterschätzter Standortvorteil. Der Tragfähigkeitscheck macht diese Unterschiede quantifizierbar und kann so dazu beitragen, Fördermittel gezielter einzusetzen und wirtschaftspolitische Debatten wesentlich zu versachlichen.

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